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Bedeutung der Genetik beim Thema "soziale Ungleichheit und Gesundheit".

Importance of genetics for health inequalities.

Bundesgesundheitsbl.-Gesund. 50, 181-191 (2007)
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Zusammenfassung In Deutschland ist bisher kaum in systematischer Weise überlegt worden, ob und wie das Thema genetische Veranlagung und medizinische Gentests mit dem Thema soziale und gesundheitliche Ungleichheit verbunden ist. Der vorliegende Beitrag soll zur Schließung dieser Lücke beitragen. Er konzentriert sich dabei auf die vertikale soziale Ungleichheit, d. h. auf die Unterschiede nach dem sozialen Status. Im ersten Schritt wird darauf hingewiesen, dass sich die Diskussion über den möglichen Einfluss genetisch determinierter Faktoren auf die soziale Ungleichheit bisher vor allem auf die Merkmale Körpergröße und Intelligenz konzentriert hat. Es wird betont, dass der Sozialstatus vor allem sozial und nicht genetisch geprägt wird. Im zweiten Schritt wird die medizinische Nutzung genetischer Tests angesprochen. Es ist zu vermuten, dass die unteren Statusgruppen genetische Tests besonders selten in Anspruch nehmen und dass sie deren Ergebnisse besonders schlecht interpretieren können. In Bezug auf genetische Tests, die eine positive Wirkung auf den Gesundheitszustand haben können, ist daher mit einer Vergrößerung der gesundheitlichen Ungleichheit zu rechnen. Empirische Untersuchungen zur Überprüfung dieser Hypothesen liegen bisher jedoch kaum vor. Im dritten Schritt wird der Frage nachgegangen, ob das Vorliegen genetischer Informationen über ein Individuum zu sozialer Diskriminierung führen kann (z. B. bei Kranken-/Lebensversicherungen, Arbeitgebern). Es wird gefolgert, dass diese Gefahr bisher (noch) relativ gering ist. Zum Abschluss wird auf den Forschungsbedarf hingewiesen und auch darauf, dass bereits heute Interventionsbedarf besteht (z. B. gleicher Zugang zu genetischen Tests für alle Bevölkerungsgruppen, bessere Wissensvermittlung in den unteren Statusgruppen).
In Germany it has rarely been assessed in a systematic way, if and how genetic disposition and genetic testing are linked to health inequality. The paper aims to be a contribution towards closing this gap. In a first step, it is pointed out that the discussion about potential links between genetic causes of social inequalities has concentrated on issues such as body height and intelligence. It is stressed that, of course, social status is mainly determined socially and not genetically. In the second step, medical benefits of genetic testing are discussed. It can be assumed that low status groups are using these tests less often than high status groups, and that they are less capable of interpreting the results. Tests that can have a positive effect on health could thus lead to an increase of health inequalities. However, empirical studies for testing these hypotheses are hardly available. In the third step, the question is raised whether genetic information could lead to social discrimination (e.g. concerning health insurance, life insurance or employer). According to the current empirical literature, to date, this risk is (still) rather small. Thus, it is stressed that more research is needed, and that already today there is some need for intervention (e.g. concerning equal access to genetic testing, better information of low status groups).
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Publikationstyp Artikel: Journalartikel
Dokumenttyp Wissenschaftlicher Artikel
Schlagwörter Genetik; Soziale Ungleichheit; Gesundheitliche Ungleichheit; Public Health; Diskriminierung
ISSN (print) / ISBN 1436-9990
e-ISSN 1437-1588
Zeitschrift Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz
Quellenangaben Band: 50, Heft: 2, Seiten: 181-191 Artikelnummer: , Supplement: ,
Verlag Springer
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