PuSH - Publikationsserver des Helmholtz Zentrums München

Mielck, A. ; Maier, W. ; Perna, L.* ; Bolte, G.* ; Koller, D.*

Gesundheitszustand von Kindern in München: Soziale und räumliche Unterschiede.

In:. München: Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München, 2010. 66 S. (Stadt-Gesundheit, Gesundheitsberichterstattung der Landeshauptstadt München)
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Gesundheitsrelevante Verhaltensweisen und viele Risikofaktoren für schwer wiegende Erkrankungen im Erwachsenenalter bilden sich bereits im frühen Lebensalter. Aktuelle Studien belegen die Zunahme gesundheitsschädigender Verhaltensweisen und gesundheitlicher Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen. Dabei sind deutliche Zusammenhänge mit sozialen Einflüssen belegt: Ein niedriger sozialer Status (gemessen z. B. an Bildung und Einkommen der Eltern) birgt höhere gesundheitliche Risiken. Neben individuellen Indikatoren wie Schulbildung, Einkommen, Migrationshintergrund und anderen kommt den regionalen Einflüssen eine besondere Bedeutung zu: das heißt, das Wohnen in einer sozial benachteiligten Region ist ein gesundheitlicher Risikofaktor an sich und mit großen gesundheitlichen Belastungen für alle Bewohnerinnen und Bewohner verbunden. Der Frage der regionalen Unterschiede unter der Fragestellung der 'Umweltgerechtigkeit sowie der sozialen Einflussgrößen auf die Gesundheit hat sich die Gesundheitsberichterstattung der LHM bereits in mehreren Publikationen gewidmet (siehe www.muenchen.de/gbe ). Das Wohnen in einer Region, in der sich Umweltbelastungen, Infrastrukturdefizite und soziale Benachteiligungen summieren, ist mit gesundheitlichen Risiken für alle Bewohnerinnen und Bewohner verbunden. Diese Schwerpunktsetzung wird auch von der im Herbst 2009 im Rahmen der „Perspektive München" beschlossenen - Leitlinie Gesundheit" aufgegriffen, die neben gesundheitlicher Chancengleichheit die Schaffung einer gesundheitsförderlichen Umwelt als zentrales Handlungsfeld benennt. Der Öffentliche Gesundheitsdienst der Landeshauptstadt stellt sich seit Jahren dieser Herausforderung. Bereits 2001 fand eine Gesundheitskonferenz zum Thema - Armut und Gesundheit - Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche in München" statt, auf der dien sogenannte - Münchner Erklärung" verabschiedet wurde und Handlungsempfehlungen zur Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheit vorgeschlagen wurden. 2005 beschloss der Stadtrat der LH München das maßgebliche Ziel, das heute nach wie vor verfolgt wird: - Das Referat für Gesundheit und Umwelt erreicht verstärkt Kinder und Jugendliche mit einer Häufung von gesundheitlichen Benachteiligungen durch esundheitsförderung, Gesundheitsberatung und Präventionsprogramme". Der Öffentliche Gesundheitsdienst der LH München fokussiert und entwickelt daher seine Angebote vor allem im Hinblick auf sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche weiter, da diese, insbesondere wenn sie von Armut betroffen sind, mit höheren gesundheitlichen Risiken leben. In diesem Zusammenhang ist besonders der Hausbesuchsdienst der Kinderkrankenschwestern für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern hervorzuheben. Dieses niederschwellige aufsuchende Beratungsangebot kommt besonders den benachteiligten oder gefährdeten Kindern aus Familien mit und ohne Migrationshintergrund zu Gute. Der Hausbesuchsdienst steht grundsätzlich allen Münchner Familien mit Kindern bis 3 Jahre offen. Bevorzugt werden jedoch Familien in schwierigen Lebenslagen aufgesucht, z.B. in Asylbewerberheimen oder in solchen Straßenzügen, in denen Familien mit erhöhtem Beratungsbedarf zu vermuten sind. Die Beratung durch die Kinderkrankenschwester dient sowohl der gesundheitlichen Prävention als auch dem präventiven Kinderschutz. Im Rahmen eines Leitprojektes zur Leitlinie Kinder- und Familienpolitik der LHM wurde eine Evaluation des Hausbesuchsdienstes durchgeführt. Eine ausführliche Darstellung der Evaluationsergebnisse aus Elternbefragung, Befragung der Kinderkrankenschwestern, Hausbesuchsprotokollen und Befragung einiger Kooperationspartner wurde im März 2010 dem Stadtrat bekannt gegeben. Weitere wesentliche Ansätze sind das Münchner Modell der Frühen Hilfen sowie die Ausweitung der Hausbesuche auf Kinder von 3-6 Jahren ohne Kindertagesbetreuung, beide vom Stadtrat beschlossen im Dezember 2007. Auch im schulärztlichen Bereich sind benachteiligte Kinder und Jugendliche unsere vorrangige Zielgruppe, in Förderschulen, Übergangsklassen und einigen Hauptschulen konnten in den letzten Jahren schwerpunktmäßig schulärztliche Untersuchungen, Sprechstunden und Gesundheitsunterricht angeboten werden, die jedoch den Bedarf bei weitem nicht decken. Im Rahmen der bereits erwähnten - Leitlinie Gesundheit" hat der Stadtrat 2009 ein Leitprojekt beschlossen, mit dem die Schulärztinnen des RGU gemeinsam mit der Münchner Ärzteschaft neue Wege für die Gesundheitsvorsorge in den Hauptschulen beschreiten wollen. Bei der Entwicklung gesundheitsfördernder und präventiver Ansätze profitieren wir von den langjährigen praktischen Erfahrungen der städtischen Gesundheitsberatungsstelle Hasenbergl, die seit vielen Jahren niederschwellig, wohnortnah und unbürokratisch Leistungen für die Gesundheitsvorsorge benachteiligter Kinder, Jugendlicher und Familien erbringt. Den stadträumlichen Unterschieden gesundheitlicher Chancengleichheit wird vor Allem im Projekt „Gesundheit in der Sozialen Stadt" Rechnung getragen, das ebenfalls ein Leitprojekt im Rahmen der - Leitlinie Gesundheit" ist Der vorliegende Bericht basiert auf den Daten des Schuleingangsscreenings unserer Kinderkrankenschwestern, an denen jedes Jahr bis 12.000 Kinder teilnehmen sowie auf der Auswertung der Fragebögen, die im Rahmen der Gesundheitsmonitoring-Einheiten des Bayrischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit von den Eltern der Einschulkinder einiger Schulsprengel ausgefüllt wurden. Wir freuen uns ganz besonders, dass wir für die Auswertung der Daten den bundesweit anerkannten Experten auf diesem Gebiet, Herrn Dr. Andreas Mielck vom Helmholtz Zentrum München gewinnen konnten. Ihm und seinen Ko-Autorinnen und Ko-Autoren möchten wir an dieser Stelle ausdrücklich für die geleistete Arbeit danken. Insgesamt zeigt die vorliegende Auswertung auch für München deutliche Zusammenhänge zwischen Sozialstatus, einzelnen Parametern der Gesundheit und regionalen Gegebenheiten, teilweise unterschiedlich ausgeprägt bei Jungen und Mädchen. Eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse findet sich in Kapitel D. Ich bin sicher, mit dem vorliegenden Bericht der Münchner Gesundheitsberichterstattung allen im Münchner Gesundheitswesen Tätigen sowie der interessierten Öffentlichkeit weitere interessante und nützliche Informationen und Denkanstöße für ihre Arbeit zur Verfügung stellen zu können. Unser Referat wird auch weiterhin der Thematik der gesundheitlichen Chancengleichheit besonders für Kinder große Bedeutung beimessen und die eingeschlagenen Wege zu deren Verbesserung stärken, ausbauen und gezielt fördern.
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Publikationstyp Arbeitspapier/Forschungsbericht
Schlagwörter Gesundheitsberichterstattung; soziale Ungleichheit; Kindergesundheit; sozioökonomischer Status
Quellenangaben Band: , Heft: , Seiten: 66 S. Artikelnummer: , Supplement: ,
Reihe Stadt-Gesundheit, Gesundheitsberichterstattung der Landeshauptstadt München
Verlag Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München
Verlagsort München
Begutachtungsstatus